Liebe

Von Liebespillen und Dealern…

sweet pills

Wenn ich mit meinen Mädels über verflossene Beziehungen spreche, höre ich immer wieder: „Wer oder was hat mich da eigentlich geritten?“ Schwups, nach ein paar Monaten ist der Zauber weg. Als wäre da nie etwas gewesen. War das Liebe? Oder welchen Hormoncocktail hab ich da gesoffen?

Die rosarote Brille

Aber jetzt mal kurz von vorne: Beim Kennenlernen sagt mir meine innere Stimme: „Netter Typ, aber mehr wird daraus nicht.“ Zu dem Zeitpunkt gebe ich meiner inneren Stimme noch ein dickes „High Five“ und stime ihr zu. Und auf einmal, eins, zwei, drei Treffen später passiert da was, dass mir ein echtes Rätsel ist. ER, der eben noch so gar nicht mein Typ war, wird von Treffen zu Treffen schöner und attraktiver. Wie kann das sein? Ist das die rosarote Brille? Aber wer setzt die mir auf? Bin ich das, obwohl ich doch gar kein Interesse hatte? Oder zaubert ER die Brille aus seinem Hut, wie das Kaninchen aus dem Zylinder?

Meine bunte Brille heißt Oxytocin, welches in schönen zwischenmenschlichen Augenblicken ausgeschüttet wird. Je schöner die Momente, je mehr Oxytocin. Das sogenannte Kuschelhormon sorgt dafür, eine leidenschaftliche Bindung entstehen zu lassen.

Meine rosarote Brille und ich laufen mit ihm Hand in Hand durch die Gegend und dann passiert es. Ich werde abhängig. Ich werde ein Junkie. Kann nicht ohne. Will im Rausch bleiben. Ich drehe durch, wenn ich meinen Stoff nicht bekommen. Ich kann den Hals nicht voll kriegen.

Das Gehirn schüttet Dopamin aus, während der Serotoninspiegel sinkt. Das Dopamin sorgt für die Euphorie im Belohnungssystem. Das schwindende Serotonin macht mich zum Junkie.

Ich werde mit meiner rosa Brille zu einem erdrückenden Monster. Ich vernachlässige meine Freunde, vernachlässige meine Hobbies, weil sich meine Welt nur um ihn dreht. Und wenn wir uns sehen, mäkle ich an ihm herum, warum er nicht so und so ist und warum er mich nicht genauso oft sehen will, wie ich ihn. Ich gebe und gebe und opfere mich auf, es kommt nichts zurück. Ich verdrehe und verbiege mich und bin am Ende so enttäuscht, dass da keine „Liebe“ zurückkommt. Und da ist es wieder: Das große Wort mit „L“ in der Verbindung mit „Enttäuschung“.

Ich bin enttäuscht. So sehr enttäuscht, dass ich nicht „Liebe“. Der Zauber ist weg. Verschwunden. Als wäre er nie dagewesen. Wie kann mich etwas enttäuschen, an das ich doch gar keine Erwartungen stellen kann? Liebe ist ein Gefühl,dass in meinem Herzen entsteht. Mit meinem Blick in die Welt schauend. Wie kann ich erwarten, dass ich mit meiner verzerrten Monsterbrille eine Liebeszahlung erhalte? Und wenn wir es hier mit einem Hormomcocktail zu tun haben, dann versuche ich, kauend, mit dunklen Augenringen, die von meiner rosaroten Sonnenbrille versteckt werden, eine Liebesdroge abzukaufen. Doch Liebe ist das nicht und ER ist nur mein genervter Dealer!

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2 comments

  1. […] haben. Jemandem hinterherzulaufen, der auf Dauer auf Distanz geht, bedeutet nichts anderes als ein Junkie zu sein, der seinen Dealer nach Gras anbettelt. Liebe ist das nicht, aber es zeigt uns in einem riesigen Spiegel, wer wir sind, welche Aufgaben […]

  2. […] ich hörte mich innerlich oft sagen: „Ich bin beziehungsgestört!“ Aber das stimmt nicht. Ich führe intakte Beziehungen zu meiner Familie, zu langjährigen […]

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