DepressionSpiritualität

Spirituelle Spinner

Skull and girl

Spiritualität wird schnell belächelt, denn Spirirs sind Spinner. Nichts Neues für mich, denn diese Haltung kannte ich schon. Immer dann, wenn rationale Alleskönner über Depressive quatschten. Ich war auch mal rational. „Was nicht erklärt werden kann, ist nicht wahr. Ich muss das schon mit eigenen Augen sehen, sonst glaube ich es nicht.“ Aber mal ehrlich: Die Erde ist rund und die Chance, den Erdball aus dem All zu sehen, ist, für mich jedenfalls, ziemlich gering. Aber wir glauben an den Erdball, weil Familie, Medien und Schule uns beibringen, dass die Erde eine Kugel ist.

Unser Erziehungssystem

Wann fangen wir eigentlich an, Dinge zu glauben? Es gibt Naturgesetze, die können wir kaum mit unserem Verstand nachvollziehen, trotzdem sind sie tief in unserem Glauben verankert. Wir spielen mit dem Feuer und der Umgang mit diesem Element ist uns in Fleisch und Blut übergangen. Doch bis heute sind die Flammenströmungen des Feuers kaum berechenbar. Turbulente Strömungen finden wir auch im Wasser. Es ist das Element, aus welchem wir zum größten Teil bestehen. Wir trinken, spielen, kochen, brühen, baden, inhalieren, gießen, schwitzen, pinkeln es aus, aber was ist Wasser eigentlich genau?

Im Laufe unseres Lebens lernen wir mit dem Element umzugehen, es wird gewöhnlich und die Schule lässt uns mit Wasser experimentieren. Was wir lernen ist einseitiges Wissen. Wir lernen auf biologischem, physikalischem und chemischem Wege die Eigenschaften des Wassers kennen, aber bestimmtes Wissen bleibt uns verwehrt. Die Schule erzieht uns zu „leidenschaftslosen Pflichterfüllern“, sagt der Hirnforscher Gerald Hüther.

Wir lernen einige naturwissenschaftliche Phänomene kennen. Aber alles, was nicht im Lehrbuch steht, existiert nicht und ist ungeklärte Spinnerei. Für Diskussionen und Phänomene ist kein Platz, zumal das Jugendliche erziehen würde, die Fragen stellen und die passen nicht in das System. Fragensteller sind Querulanten.

Ayurveda passt nicht in unser System

In der indischen Heilkunst Aryueda, wird das Wasser 10 Minuten gekocht, bevor man es am Morgen trinkt. Das Wasser hat dann erst seine Molekülklumpen voneinander getrennt, dringt tiefer in Körperzellen ein, ist mit Energie angereichert, schmeckt Süß und schwemmt unsere toxischen Stoffe aus dem Körper. „Alles Quatsch“, könnte man jetzt sagen. Warum kommt in uns das Gefühl auf, dass wir diese Dinge über das Wasser nicht glauben wollen? Weil wir genau so erzogen worden sind! Schade.

Unser Schulsystem ist zäh, träge und engstirnig und so erklärt uns das System auch das Wasser. Da ist kein Platz für überarbeitete Erkenntnisse, andere Thesen und Theorien. Man guckt nicht gern über den Tellerrand, wobei wir doch soooo globalisiert sind. Wo würden wir wohl hingeraten, wenn ein Chemielehrer erzählen würde, dass laut Masaru Emoto, Wasser Informationen speichern könnte? Wir würden uns in unsrer zusammengebastelten Welt nicht mehr orientieren können.

Erklärungswut

Wir neigen dazu, alles erklären zu wollen, weil Unbekanntes Angst macht. Also stürzen wir uns auf die Naturwissenschaften. Diese bauen unter anderem auf den Gesetzen der Mathematik.

Aber was ist mit der Mathematik? Wie erklären wir uns Primzahlen oder die Fibonaccireihe? Wir verstehen unsere scheinbar heile und fundierte Welt anhand einer mathematischen Disziplin, die wir kaum verstehen. Die Naturwissenschaft selbst kann die Mathematik nicht erklären, weil sie sich dieser bedient. Wir vertrauen auf ein System, welches sich gegenseitig bedient, aber nicht wirklich erklärt werden kann?

Liebe: kann nicht naturwissenschaftlich erklärt werden. Wer erklärt uns, was Liebe ist? Mama und Papa können als Vorbilder dienen, die Religion kann uns vorbeten, was Liebe ist und die Schule erzählt uns, was passiert, wenn wir ungeschützt Liebe machen. Keiner lehrt uns dabei, wie wir das Vorbild unserer Eltern, die Religion, in die wir hineingeboren wurden oder andere Gesellschaftsbilder der Liebe hinterfragen können. Wir lernen nicht über die Liebe zu philosophieren oder liebenswerter zueinander zu sein.

Kinder fragen unerbittlich, sie erkunden die Welt, doch ab einem gewissen Zeitpunkt wird Hinterfragen zu einem Terrorakt. Also halten wir lieber die Schnauze, als sich diese ständig zu verbrennen. Wir drücken unsere kindliche Neugier nieder und wundern uns, dass die Zahl der Menschen mit Depressionen weiter ansteigt.

Die Geburt der Spiris

Und dann werden aus depressiven Menschen plötzlich Spiruletties. Spinner, die plötzlich eine Erleuchtung erfahren haben und andere bekehren wollen. Die meinen, sie hätten eine bessere Welt vor Augen und die wollen sie jetzt mit Druck realisieren. Zudem wissen sie alles besser und gehen dem Rest mit ihren Fair-Trade-Saubermannklamotten und dem No-Waste-Müll so richtig auf den Zeiger.

Doch vielleicht sind die spirituellen Depris, die den Abgrund schon gesehen haben, den anderen zahmen Schafen einen Schritt voraus. Die Spiritualität erlaubt, fragen zu stellen, über den Tellerrand zu sehen, Gefühlen einen Namen zu geben, zuzulassen und an Wunder zu glauben. Wer eine Depression oder ein Burnout hinter sich hat, sieht die Welt mit anderen Augen. Vielleicht ist es sogar eine kleine Wiedergeburt und gleichzeitig ist es ein Aufschrei, denn viele  Erkrankte sind gerade deshalb krank geworden, weil sie das System, indem sie leben, krank gemacht hat. „Jaja, jetzt sind wieder die anderen Schuld“, könnte man sagen. Nein, das wäre nicht fair. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, aber viele von uns haben nicht gelernt, zu hinterfragen, selbstbewusst den Mund aufzumachen, für sich zu sorgen, angepasst unangepasst zu sein, sich seinen eigenen Lebensstil zu kreieren, Designer des eigenen Lebens zu sein und die Welt mit neugierigen Kinderaugen zu sehen. Ich gehöre auch dazu.

Peace.

 

| Photo by Mallory Johndrow on Unsplash

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4 comments

  1. Danke für den tollen Post! Bin auch auf der Reise vom bequemer, angepasster Maus zum glaubenden, gefühlvollen, offenen, aber auch andersdenkenden und sicherlich unbequemeren ICH!
    Danke für das teilen deiner Gedanken! – Irma

    1. Liebe Irma,

      ich bin begeistert und ich freue mich, wenn ich mit meinem Post zeigen kann, dass Du nicht alleine bist. Genieße den Weg, er ist zauberhaft, spannend und wundere Dich nicht über die Magie, die Du damit versprühst.

      PEACE!

  2. Toller Artikel! Toller Blog!… Wichtige Sachen schreibst du!

    1. Danke, liebe Gabriele!

      Let the magic happens <3

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