Depression

Empathie.

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Empathie ist ein großes Wort. Wer empathisch ist, ist gesegnet und verflucht zugleich. Aber wir wissen kaum mit diesem Wort umzugehen. Gesellschaftlich scheint die Empathie erwünscht, aber gleichzeitig wird sie verbannt. Denn, wir sollen hart bleiben und gleichzeitig Soft Skill Kurse besuchen. In einer maskulinen Gesellschaft hat die feminine Empathie ziemliche Probleme. Das liegt aber auch daran, dass wir gar nicht wissen, wovon wir reden. Wir können uns dem Begriff nur annähern.

Was ist Empathie?

Empathie wird oft als „Mitgefühl“ oder „Mitleid“ beschrieben. Wer mitfühlt ohne Mitleid zu empfinden, ist schon ein ziemlicher Guru. Denn wer neutral fühlt, ohne zu leiden, ist auf dem Weg zur Erleuchtung. Mitgefühl hat immer auch etwas mit unserer Vergangenheit zu tun. Wir mischen unsere Erfahrungen mit den Geschichten der anderen.

Wo entsteht Empathie?

Empathie entsteht durch Spiegelneuronen im Gehirn. Wir nehmen unbewusst Signale wahr und ordnen ihnen Gefühle zu. Der ganze Kram wir auch emotionale Intelligenz genannt.

In der Literatur findet man drei Unterscheidungen der Empathie:

Die kognitive Empathie

Man versteht den anderen, aber fühlt dabei nichts. Diese Empathieform ist zu erlernen und wird oft in der Werbung eingesetzt. Bestimmte Botschaften sollen in uns ein Gefühl auslösen. – Sorry Literatur, aber diese Form der Empathie ist psychopatisch und betrügerisch und hat nichts mit Empathie zu tun.

Die soziale Empathie

Bei dieser Form der Empathie kann man sich auf verschiedene Menschen einstellen und die Stimmung in einem Raum gezielt verbessern. Sie ist der emotionalen Empathie sehr gegensätzlich, denn emotional gesehen, braucht es eine Weile, um sich von mieser Stimmung zu erholen. Auch die soziale Empathie ist für mich keine Empathie, denn hier werden, meiner Meinung nach, keine Spiegelneuronen benutzt, sondern hier vollzieht sich eine bewusste Analyse der Menschen.

Die emotionale Empathie

Hier fühlt man sich in den anderen hinein. Ist jemand traurig, fühlt man sich ebenso traurig. Hierunter finden wir auch die emotional Hochsensiblen. Emotional empathische Menschen reagieren automatisch auf die Emotionen der anderen.

Zwischenfazit:

Die emotionale Empathie ist für mich die pure Form der Empathie. Alle anderen Formen sind erlernbar oder Störungen in der Gefühlswelt. Entweder aufbauend auf die emotionale Empathie oder vermeidende Strategien. Was genau heißt das?

Schauen wir uns die Kinder an:

Kinder sind emotional empathische Wesen. Kinder weinen, wenn sie ihre offene Wunde sehen. Sie zeigen Anteilnahme und trösten. Grund dafür sind unsere Spiegelneuronen. Schon kurz nach der Geburt fangen Babys an, Bezugspersonen zu spiegeln. Ungefähr bis zum 4.Lebensjahr haben sich die Spiegelneuronen ausgebildet und das Kind besitzt eine eigene Gefühlswelt. Gibt es Erschütterungen in den ersten prägenden Jahren, hat das auch Auswirkungen auf unser Empfinden. Mussten Kinder erfahren, dass freundlich lächelnde Menschen Schmerz bringen, bildet sich ein abweichendes Muster.

Soziale und kognitive Empathie.

Die soziale Empathie ist eine anerzogene Empathieform. Sie ist gesellschaftlich etabliert, um sich umeinander zu kümmern. Erfahrungen mit der sozialen Komponente machen uns besser in unserer bewussten Kalkulation. Unser Über-Ich sagt: „Du musst den anderen jetzt trösten! Das macht man so.“ Wir handeln mit Verstand und nicht intuitiv.

Die kognitive Empathie, bei der wir wissen, was in dem anderen abgeht, wir aber nichts fühlen, hat zwei Ausgangspunkte. Entweder haben wir uns von dem Mitleiden der anderen abgespalten, weil Mitleid Schmerz ist, den es zu verdrängen gilt – oder – wir sind im emotionalen Empathieprozess in Kinderschuhen stecken geblieben. Kurz gesagt: die Spiegelneuronen spielen besoffen Karten. Nach der Devise: „Use it or loose it.“ Hatten wir keinen zum Spiegeln, verkümmert dieses System. Wie schon erwähnt, haben auch Marketingtricks nichts mit purer Empathie zu tun.

Jetzt fragen wir uns: Halt! Was ist mit der emotionalen Empathie, die uns nicht gleich killt? Die man wahrnimmt, die aber nicht ansteckend ist? Ist das nicht kognitive Empathie? NEIN! Das ist emotionale Empathie, bei der man seine Gefühle beobachtet und nicht bewertet. Remember: „Du bist nicht deine Gefühle!“ Hier werden Gefühle nicht zu Emotionen. Das heißt: Wir sehen jemanden weinen und empfinden Mitgefühl. Wir erkennen den Schmerz des anderen, aber lassen ihn nicht zu unserem Schmerz werden. Das ist für emotional Empathische die höchste Disziplin.

Was heißt das jetzt?

Wer empathisch fühlt, ist gesund, gesund, gesund! Empathie wurde uns nur abtrainiert. „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ „Wenn Du heiratest, ist alles wieder gut.“ Ich breche!

Wer empathisch ist, kann stolz auf sich sein. Denn der wunderbare Körper funktioniert, die Spiegelneuronen arbeiten, ohne Dreck im Getriebe. Lass Dir von keinem einreden, Du bist ´ne Pussy, weil dich der Weltschmerz killt. Wir dürfen weinen, wenn andere weinen, wir dürfen Schmerz empfinden, wenn sich jemand geschnitten hat, genauso wie wir gähnen, wenn jemand gähnt. Die Frage ist, wie wir damit umgehen?

Wir dürfen Empathie, Mitgefühl, das Wahrnehmen von Emotionen nicht als Laster sehen und darunter leiden. Alles hat zwei Seiten. Das ist das Gesetz der Polarität. „No rain, no rainbow.“ Wenn wir also das nächste Mal negative Gefühle spiegeln, dann sollten wir an die Momente denken, in denen wir von anderen mit auf den Regenbogen genommen wurden, um dort zu tanzen.

| Photo by Noah Buscher on Unsplash.

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