Depression

Konflikte – Warum es wichtig ist, zu streiten

Konflikte

Ich bin das angepasste Chamäleon. Ich will es jedem recht machen. Streitigkeiten gehe ich lieber aus dem Weg. Meine Grenzen lasse ich mir von anderen eintreten, weil ich andere Menschen nicht verletzen will. Erkennst Du dich wieder? Dann habe ich hier was für Dich. 

Lange war ich der Meinung, Konflikte sind negative Monster. Sie sind eine Gefahr für meine Beziehung zu anderen Menschen und treiben einen Keil zwischen uns. Außerdem sind mir Konflikte heute noch sehr fremd, weil sie Löcher in mein dünnes Nervenkostüm reißen. Deswegen ist es wichtig zu erfahren, wie wir in Konflikte hineingehen. Aber erstmal von vorne.

Warum sind Konflikte wichtig?

Glaubt man den Entwicklungsanalytikern, dann sind Konflikte und Krisen essentiell für unsere Identität. So beschreibt der Psychoanalytiker Erik Erikson, ein Schüler von Sigmund Freud, verschiedene Krisen in einem lebenslangen Stufenmodel. Für unsere Entwicklung ist es wichtig, die Krisen in verschiedenen Phasen zu bewältigen. Haben wir diese Konflikte nicht gelöst, begleiten sie uns ein Leben lang, bis zu dem Punkt, an dem wir eine geeignete Strategie gefunden haben. Die Psychoanalytiker beschreiben Krisen deshalb nicht als negative Störungen, sondern als wichtige Entwicklungsschritte. Konflikte dienen der Entfaltung unserer Identität und Kreativität. Sofern wir keine egoistischen Draufgänger sind, die ständig mit dem Kopf durch die Wand wollen oder sich daran aufgeilen, mit anderen Beef zu haben.

Was sind Streits und Konflikte?

Konflikte entstehen, wenn mindestens zwei Meinungen aufeinandertreffen oder Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Kindheit

Haben wir nicht gelernt, dass unsere Meinung von Bedeutung ist und wurde viel zu oft im Kleinkindalter für uns entschieden, dann haben wir nicht abgespeichert, dass es wichtig ist, für unsere Meinung und unsere Wünsche einzustehen. Zudem kam es nie zu Konflikten, wenn wir stets zurücksteckten, daher haben wir keine Konfliktstrategien entwickeln können. Solche Strategien sind aber essentiell, um unser Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken, ohne jedes Mal in Streitereien und Wortgefechte zu gelangen.

Außerdem trainieren Meinungsverschiedenheiten die Akzeptanz für andere Sichtweisen, machen uns kritikfähig und zeigen anderen unseren Standpunkt. Es kommt letztlich darauf an, wie wir in Konflikte gehen und wie wir ihnen begegnen. 

Streiten lernen – Kommunikation

Es gibt viele Möglichkeiten, Konflikten zu begegnen. Allem voran sollten wir uns bewusst machen, dass eine Botschaft, a la Schulz von Thun und seinem 4-Ohrenmodell, über verschiedene Ohren gehört werden kann. Das, was gesagt wurde, muss nicht unbedingt die Botschaft sein, die ich gehört habe. Es kommt darauf an, was ich zwischen den Zeilen heraushöre. 

Um herauszufinden, ob man das, was man gehört hat, richtig verstanden hat, eignet sich das aktive Zuhören. Man formuliert dazu die Nachricht in seinen Worten um, die man empfangen hat. Das ist super schwer und gleichzeitig sehr einfach, weil man nur die gehörte Aussage paraphrasiert, also umschreibt. Eine Möglichkeit wäre daher zu fragen: Habe ich richtig verstanden, dass du…?

Schließlich eignet sich die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg zur Äußerung der eigenen Bedürfnisse und Wünsche in 4 Schritten:

  1. Wenn ich sehe / höre…. (Zunächst beschreibt man, was man wahrgenommen hat: Beobachtung und Bewertung des anderen)
  2. …dann fühle ich mich…. (dann werden die eignen Gefühl/ Gedanken beschrieben)
  3. ….,weil ich ein Bedürfnis nach….habe. (Jetzt sollte man sich klarwerden, weshalb einen die Beobachtung stört. Dies ist meist auf ein nicht erfülltes Bedürfnis zurückzuführen)<< mein schwierigster Part<< Hier findest Du eine Bedürfnis-Liste
  4. Kannst Du bitte…. / Wärst du bereit…. (Jetzt erfolgt eine Bitte oder eine Forderung)

Peace-Factor:

In einem gesunden Miteinander gibt es hin und wieder Streitigkeiten und Konflikte. Eine zwischenmenschliche Beziehung ohne Auseinandersetzungen ist oftmals unausgeglichen, weil sich einer durchsetzt und der andere stets zurücksteckt. Dies hat zur Folge, dass die Beziehung nicht lebt, adynamisch ist, keine Unterschiede zulässt und es verdeckt weiter brodelt. Irgendwann werden Bedürfnisse zu Monstern, die gehört werden wollen. Also platzen sie heraus und sind riesengroß. Von daher ist es wichtig, seinen Wünschen und Gefühlen ein Sprachrohr zu geben, sonst werden daraus Krisen, die wir in unserem Rucksack ziemlich lange mit uns herumschleppen, bis wir sie irgendwann lösen. Und mal ganz ehrlich, wünschen wir uns ein Gegenüber, der nur „Ja“ sagt und seine Bedürfnisse unterdrückt?

// Photo by Priscilla du Preez on Unsplash

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