Depression

Mein Kopf ist ein Sieb.

Head, hand and dust

Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme, Aufmerksamkeitsdefizit. Diese Begriffe kannte ich von alten Menschen oder Kindern mit angeblicher ADHS. Wenn mir meine Oma Dinge doppelt erzählte, war ich genervt. Konnte sich meine Mutter nicht an das erinnern, was ich ihr erzählte, machte mich das wütend. Es war meine Stärke zu wissen, wem ich was erzählte und wer mir etwas anvertraute. Storys erzählte ich einer Person NIEMALS doppelt. Mein Kopf funktionierte einwandfrei. Bis zu meinem Burnout und dem Höhepunkt meiner Depression.

Dunkle Flecken in meinem Kopf.

Es kam schleichend auf Zehenspitzen. Zu meiner Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und den negativen Gedanken kamen die dunklen Flecken in meinem Kopf. Sie schlichen sich ganz heimlich in mein Gehirn, kackten in meinen Kopf und hinterließen einen ätzenden dunklen Fleck. Als hätte man zu oft auf die gleiche Stelle gepisst.

Eine meiner Stärken wurde zu meiner Schwäche.

Die Sache, für die ich andere verurteilte, wurde ein Teil von mir und je mehr ich mich anstrengte, einen kühlen Kopf zu bewahren, desto größer wurden die Löcher.

Diese fucking Konzentrationsprobleme.

Ich konnte mich immer schlechter konzentrieren. Wurde ich in eine Unterhaltung verwickelt, konnte ich meinem gegenüber kaum folgen. Es war super anstrengend zuzuhören. An einem Gespräch teilnehmen war nicht möglich. Immer wieder glitt ich mit meinen Gedanken ab. Kam ich wieder zu mir, war es zu spät, die Unterhaltung fortzusetzen. Ich wusste nicht im Ansatz, worum es ging. Ich kam mir dumm vor. Ich war zu dumm, um zuhören zu können. Nicht einmal banaler Gesprächsstoff blieb hängen, denn mit den Themen hatte es wenig zu tun. Je mehr ich versuchte dagegen zu kämpfen, desto schlimmer wurde es. Ich konnte nur noch nicken und „JA“ sagen. Deshalb fing ich an, Unterhaltungen zu meiden und mir auferlegte Aufgaben nur noch teilweise zu erledigen. Hallo sozialer Rückzug. Hallo Abwärtsschleife.

Ich bekam Sprachschwierigkeiten.

Ich war nicht mehr aufnahmefähig und mein Kopf wurde fühlend langsamer. Während ich merkte, dass mein zähflüssiges Blut sich seinen Weg durch meinen Körper kämpfte, blieb davon wohl sehr wenig für meinen Kopf übrig. Mein Denken war gehemmt und auch meine Sprache verlangsamte sich. Mir fiel auf, dass ich zunehmend nach Worten suchte und anfing sehr langsam zu sprechen. Ich war ohnmächtig dagegen, denn ich konnte nichts tun, außer dabei zuhören, wie ich immer langsamer wurde. Ich setzte mich unter Druck. Panik machte sich breit.

Mein Kopf rauchte.

Wie lange bleibt das jetzt so? Geht das überhaupt irgendwann mal weg? Was kommt als nächstes? So drehten sich meine Gedanken nur noch um mich und weniger um meine Außenwelt. Ich war richtig am Arsch, denn ich kämpfte mit mir. Was erzählst du mir von deinem Wochenende oder dem nächsten Arbeitsprojekt, wenn ich anfange, innerlich zu zerfallen? Ich hab hier verdammt Wichtigeres zu tun mit meiner kleinen Gehirnkapazität, die ich noch zur Verfügung habe. Und ganz schnell hast du den Stempel auf der Stirn: „Die ist ganz schön ego geworden.“

Und langsam kannst du zusehen, wie du auch die letzten Menschen um dich herum verletzt, weil dein Kopf nicht MEHR zulässt. Du kannst keine Verabredungen mehr einhalten, weil der soziale Rückzug begonnen hat und dein Zeitgefühl dich langsam im Stich lässt. Termine werden zu großen Belastungen, auch wenn es nur ein Arztbesuch ist. Jede Kleinigkeit muss notiert werden. Immer wieder höre ich den Satz: “Das habe ich dir doch schon drei Mal erzählt.“ Ich schwöre, ich höre es zum ersten Mal. Wallah!

Peace-Faktor:

Rückblickend weiß ich, dass die Panik um meine Konzentrationsprobleme gegen mich arbeitete. Therapeuten und Ärzte sagten immer wieder: „Das bleibt nicht so, das geht wieder vorbei.“ Ich wollte es nicht wahrhaben. Ich hatte keine Zeit und Abwarten war erst recht nichts für mich. Wir lernen, dass wir für den Erfolg arbeiten müssen. Ich dachte, dass mein Gehirn arbeiten muss, um wieder zu funktionieren. Ich dachte, ich muss dafür arbeiten. Dabei sah ich nicht, dass es die ganze Zeit auf Hochtouren arbeitete, aber eben nicht für mich. Mein Monkey mind sprang unkontrolliert von Ast zu Ast.

Bis ich Reiki für mich entdeckte. Die energetische Körperarbeit gab mir genau das, was Verhaltenstherapie mir nicht geben könnte. Entspannung, Ruhe und Stille. Während es ruhig um mich wurde, wäre ich am liebsten vor mir selbst weggerannt, aber dann fing ich an zu genießen. Reiki war wiederum der Einstieg für mich, um Meditation überhaupt aushalten zu können.

Heute kann ich sagen, dass mein Monkey mind mit dem Sieb auf dem Kopf erst durch Ruhe, Reiki und Meditation wieder gechillt in den Ästen hängen kann, auch wenn es im Kopf noch verbrannte Pissstellen hinterlässt. Es ist ein Prozess und er dauert eine Weile bis ich wieder sagen kann: „Das hast du mir schon erzählt, aber das macht überhaupt nichts.“

| Photo by Jaroslav Devia on Unsplash

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