Depression

Der Terrier in mir

Wenn wir uns an etwas festbeißen, dann liegt das zum größten Teil daran, dass wir etwas ungeduldig wollen. Wenn wir über jemanden sprechen, der „Biss“ hat, ist das in unserer Kultur eine positive Eigenschaft. Wir verbinden damit Eigenschaften wie Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, Geradlinigkeit und Erfolg. 

Aber was genau verbirgt sich hinter dem Biss und wo ist der Unterschied zwischen Zielstrebigkeit und Festbeißen?

Zeig mir deine Zähne

Menschen mit Biss haben meist einen sehr ausgeprägten Unterkiefer. Nicht, weil sie regelmäßig Fleisch reißen oder zu viel MDMA kauen, sondern weil Anspannung und Stress den Unterkiefer trainiert. Jeder, der in einer Stresssituation mal kurz in sich hineinfühlt, der merkt, wie er unbewusst die Zähne zusammenbeißt.

Wenn wir uns festbeißen, reißen wir uns den Arsch auf und beißen eben auch die Zähne zusammen.

Nachts verarbeiten wir die stressreichen Situationen und knirschen mit dem Unterkiefer. Auch das trainiert die Muskeln und bringt eine ausgeprägte Kauleiste. Der Kopf arbeitet auf Hochtouren und möchte ein bestimmtes Ziel erreichen. 

Achtung Burnout

Wenn ich mich festbeiße, dann merke ich nicht, wie ich über meine Grenzen gehe. Der Terrier in mir hat das Körpergefühl in den Keller gesperrt. Nicht erfüllte Ziele sind dann Dauerprobleme und Stress.

Alte Glaubenssätze flüstern leise in mein Ohr: „Du bist nicht gut genug“. Das setzt mich unter Druck. Die Menschen um mich herum werden von mir angeknurrt und gebissen, denn mein Ziel ist ein Problem für mich, dass mich unter Druck setzt. ICH setze mich unter Druck.

Jede noch so schöne Sache kann mit zu viel Biss zur Hölle werden. Und jedes noch so kleine Ziel kann Richtung Burnout führen.

Der Unterschied zur Zielstrebigkeit

Mein Biss ist antrainiert. Ich habe gelernt, dass Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und Erfolg den nötigen Biss erfordern. Wer nicht dran bleibt, verliert! Gibst du zu schnell auf, bist du ein Loser oder jemand, der einfach nichts durchzieht. Uns werden Ausdauer und das harte Arbeiten für etwas nahegelegt, aber keiner lehrt uns den kleinen, feinen Weg zwischen Zielstrebigkeit und hartnäckigem Wahnsinn. Die kleine feine Note zwischen Fleiß und Verbohrtheit, zwischen Ausdauer und Besessenheit.

Sobald wir unsere Ziele mit der Brechstange verfolgen, über Leichen gehen und die Schreie unseres Körpers überhören, dann hat das nichts mehr mit Zielstrebigkeit zu tun. Das sind Dinge, die nicht belohnt werden dürfen. Wann und wie merken wir, dass wir von dem kleinen Pfad unserer inneren Balance abkommen?

Wann habe ich mich festgebissen?

Ich spüre ein Thema im Kopf. Meine Gedanken kreisen um dieses eine Problem. Ich kann an nichts anderes mehr denken und mein erster Gedanke des Tages dreht sich um dieses Thema. Mein Kiefer ist verspannt, ich habe Kopf- und Nackenschmerzen. Ich bin unausgeglichen, kann nicht gut schlafen, mag mich selbst nicht, bin nur am Arbeiten und drücke den Menschen um mich herum Sprüche, die sie nicht verdient haben. 

Wie geht Zielstrebigkeit ohne verkrampfte Kauleiste?

Sobald ein Ziel zu einer Sorge wird, haben wir ein fucking Problem. Dann stellt der Kopf auf Negativität. Alle Gedanken sind negativ gepolt. Sogar das mögliche positive Ergebnis kann nicht mehr gegen ankämpfen. Denn, wenn wir unser Ziel erreichen, sind wir durch den ganzen negativen Scheiß einfach eine Sorge mehr los. Wir können uns kaum freuen, dass wir es geschafft haben. Und wenn wir uns kurz freuen, denken wir schon an das nächste Problem. So beißt sich der Schweinehund, der sich in einen Terrier verwandelt hat, von Problem zu Problem und vergisst, dass das Leben ohne Zähneknirschen ganz geil sein kann.

Wie kommen wir da jetzt raus?

Wir können versuchen zu entschleunigen und uns fragen, was passiert, wenn wir das Ziel erst morgen oder nächste Woche erreichen? Oder eben gar nicht erreichen. Geht davon die Welt unter? NEIN!

Ich habe gemerkt, dass sich einige Dinge mit der Zeit von selbst lösen, ohne negative Stressenergie. Ohne Brechstange vorzugehen, heißt auch, den Terminkalender zu entzerren. Wenn wir uns mehr Pausen können, fühlt sich das Leben schon viel leichter an. 

Wenn ich an ein Ziel mit einer positiven Grundstimmung herangehe, kann ein viel besseres Endergebnis entstehen. Verbissene Zielführung ist oft kaltherzig, berechnend und unauthentisch. Sie transportiert genau diese Energie weiter. Einige Ziele benötigen einfach Zeit, daher ist es wichtig, das Gesetz der Zeit zu respektieren. Wir sollten dem Universum die Zeit geben, die Weichen zu stellen. Ich habe mal einen Freund gefragt, wie er seinen stressigen Tag bewältigt. Er sagte zu mir, für ihn ist es ein Spiel, er nimmt die Dinge nicht so ernst und schaut ganz gespannt, wie viel er wohl heute schaffen wird. Ganz ohne Druck und ohne Bewertung

Peacefactor:

Wenn wir vertrauen in uns und in das Leben finden, erfüllen sich die Ziele im Handumdrehen. Alles ist im Fluss und Druck erzeugt Gegendruck. Manchmal sind einige Ziele für uns auch nicht bestimmt. Wir finden auf dem Weg zu ihnen unsere eigentliche Bestimmung. Wenn wir dann bewusst und achtsam unser Ziel erkennen, können wir zielstrebig sein, ohne Maulkorb tragen zu müssen. 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.